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Kritik der Identitätspolitikkritik

Es ist heute fast Mode geworden, die sogenannte Identitätspolitik dafür zu schmähen, dass sie die wahre Kritik, die Kritik an der sozialen Ungleichheit, pervertiere. Die Abarbeitung an Diskriminierung etc. wird als Ablenkung von den eigentlichen Verhältnissen gesehen, wenn nicht gar als Herrschaftsattitude der verschlagenen Eliten gegen den gutmütigen „Pöbel“, der nicht weiß sich in den überkorrekten Sprachgepfogenheiten auszudrücken – und so zu schweigen gebracht wird. Weiterlesen

Deutschland macht die Grenzen (der anderen) dicht

Die Grenzen werden kontrolliert. Aber das wird sie, entgegen der Hoffnung der Bornierten, nicht unbedingt dichter machen. Der verzweifelte Versuche das europäische Grenzregime nach seinem Scheitern nun an der eigenen Tür wieder aufzuziehen, wird vermutlich eher offenbaren, wie sich Deutschland seit über einem Jahrzehnt den Grundsätzen des verfassungsmäßigen Anspruchs auf Asylrecht entledigt hat. Weiterlesen

Triumpf oder Ei?

In der Berichterstattung über die Morde der Zeichner von Charlie Hebdo wurden in den letzten Tagen zahlreiche Titelbilder der Satirezeitschrift gezeigt. Darunter allerdings auch ein Bild, das gar nicht von Charlie Hebdo stammt, sondern vielmehr gegen Charlie Hebdo gerichtet ist. Neben dem Berliner Zeitung fiel auch die tagesschau (Sek. 51) auf die Fälschung herein. Das Bild, das zugleich Titelbild des von Joe le Corbeau herausgegebenen antisemitischen Comics „Shoah Hebdo“ ist, wird von diesem mit dem Worten begleitet: „Shoah Hebdo ist das Heft mit all den satirischen Zeichnungen, deren Verkauf immer schon im ganzen Universum verboten wurde, im Gegensatz zur sehr verbreiteten ‚Charlie Hebdo‘.“ Mit dem Band will Joe le Corbeau den Kampf gegen eine zionistisch infiltrierte westliche Welt angehen, deren Medien von Israel kontrolliert sei. Le Corbeau gehört dem Kreis um Dieudonné an, der in dieser Woche wegen Verherrlichung der mörderischen Anschläge auf Charlie Hebdo festgenommen wurde. In diesem Kreis klopft man sich nun selbst auf die Schulter, weil  es gelungen ist, das Titelbild ihres antisemitischen Bandes Charlie Hebdo unterzuschieben. In Wirklichkeit zeigt das Ganze aber wohl nur, wie falsch die Beschreibungen der Medienlandschaft mit der Anti-Antisemitismus-Keule ist. Was hier als Triumpf gefeiert wird, zeigt, dass die Medien überhaupt kein Problem damit haben, solche Karrikaturen, die angeblich „immer schon überall im ganzen Universum verboten“ waren, zu zeigen. Die falsche Diskussion, dass man bei den Juden ja nichts sagen dürfe, wird hier von ihren vehementesten VertreterInnen selbst wiederlegt. Dies mag, entgegen verbreiteter Vorstellung, an der Unsensibiltät der Medien gegenüber Antisemitismus liegen, oder aber auch einfach an ungründlicher Recherche. Von einem Verbot, etwas über Juden zu sagen, kann jedoch mit Sicherheit nicht die Rede sein.

tabula rasa

Die modernistische Architektur wird heute in ihren schlechtesten Eigenschaften von dekonstruktivistischer und deleuziansicher beerbt. In ihren gigantomanischen Ausprägungen stehen diese auf Kriegsfuß mit Demokratie und Menschenrechten. Daran erinnert heute eindrücklich die Kritik an der Erhebung von Zaha Hadids Heydar Aliyev centre in Aserbaidschan zum Design des Jahres durch das Londoner Design Museum. Dem Bau, so dokumentiert Human Rights Watch, war die nicht eben zimperliche Vertreibung der vorherigen AnwohnerInnen vorausgegangen. Ihre Häuser wurden dem Erdboden gleich gemacht, auf dass aus den Ruinen die schöne neue Architektur auferstehe. Diese wurde dann gleich noch von importierten ArbeiterInnen errichtet, die – ähnlich wie bei den Bauarbeiten für die WM 2022 in Katar bekannt wurde – unter miserablen Bedingungen arbeiten mussten. Weiterlesen

Wo SoldatInnen geloben, müssen DemonstrantInnen schweigen

Das Verhältnis von Militär und Demokratie war immer schon ein problematisches. Die unrühmliche Rolle militärischer Verbände in der Weimarer Republik ist hinlänglich bekannt. Und inzwischen ist es auch kein Geheimnis mehr, dass beim Aufbau der Bundeswehr maßgeblich auf alte nazistische Generäle zurückgegriffen wurde. Ein Beispiel, wie ernst es mit der Demokratie ist, wenn es ums Militär geht, konnte heute in Mainz erlebt werden. Weiterlesen

Falsche Friedenstauben

In Zeiten von nationalpazifistischen Montagsdemos hört man oft, für Frieden zu sein, könne nicht falsch sein. Dies mag stimmen. Nicht jedoch was uns damit untergeschoben werden soll, nämlich: wer für Frieden ist, kann nicht falsch sein. Und darum: wer gegen die Montagsdemos ist, muss falsch sein. Wer sich so automatisch ins Recht setzen will, sollte daran erinnert werden, dass die Nazis ihren Parteitag 1939 „Reichsparteitag des Friedens“ genannt haben. Dass es falsch ist, gegen Frieden zu sein, heißt keinesfalls, dass es falsch ist, sich gegen einige Menschen zu stellen, die den Frieden für sich reklamieren.

In der Eisdiele

Ich sitze in einem Eiskaffee. Nach Wochen des Regens hat die Sonne die Menschen in die Straßen getrieben. Ich kratze langsam etwas Eis aus dem Becher. Um mich herum hasten die Bedienungen, Kinder lachen und rücken unruhig auf ihren Stühlen hin und her, während sie sich das Eis eher neben als in den Mund führen. Ich blättere eine Seite meines Romans um. An einer Zwischenwand hängt ein Flachbildschirm, auf dem Nachrichten in Schleife laufen. Die deutsche Regierung verkauft Waffen an Saudi-Arabien; in der Türkei setzt der Staat nach einem furchtbaren Grubenunglück die Polizei gegen seine Bürger*innen ein, verbietet Demonstrationen und riegelt die Stadt am Unglücksort ab.
Mag man die allgemeine Zugänglichkeit von Nachrichten loben, schleudert das unaufhaltsam sich drehende Nachrichtenkarussell die „Informationen“ auch immer dahin, wo sie keine Konsequenzen haben können. Was auf dem Bildschirm dargeboten wird, ist so gelöst von jeglichem Handlungsvermögen, dass es in einer absurden Irrealität erscheint.
Es scheint ein Verbrechen, während eine Regierung in meinem Namen Waffen verscherbelt, von denen wir alle wissen, gegen wen sie nachher zum Einsatz kommen, weiter in einem Eisbecher zu kratzen. Und doch scheint es lächerlich zu glauben, die Welt würde besser, wenn ich mein Eis nicht esse.
Im Ende machen die Nachrichten die Welt aus Spagettieis und Espresso noch viel irrealer als sie in dieser erscheinen. Und vielleicht ist es diese verdoppelte Irrealität, die die unendliche Ohnmacht hervorbringt, in der wir uns alle gefangen fühlen.

„Ab jetzt weht hier ein anderer Ton!“

Homoverschwörungsparanoia

Der deutsche „Journalist und Autor“ Matthias Matussek zürnt gegen Stefan Niggemeier. Dieser hatte ihm mangelnde Lesekompetenz vorgeworfen, weil er es nicht geschafft hatte, einen (explizit erklärten) Fragebogen der GEW für Siebtklässler richtig zu verstehen. Durch Fragen, die Annahmen über heterosexuellen Menschen implizieren, die sonst häufig gegenüber homosexuellen Menschen bestehen, sollten die Schülerinnen auf diese Vorurteile gestoßen werden. Bezeichnend ist, dass Matthias Matussek den Vorwurf der mangelnden Lesekompetenz in seiner geifersabbernden Replik auf Stefan Niggemeier gleich noch einmal bestätigt. „Wo ist hier der Rollentausch fragt er?“ Weiterlesen

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