Grundlos glücklich

Es ist eine der höchsten Tugenden, nicht immer Gründe für alles finden zu müssen. Die unbedingte Suche nach Gründen neigt einerseits zu einem mechanistischem Rationalismus oder aber zur Esoterik. Vielleicht liegt hierin die Skepsis von gesellschaftstheoretischen Entwürfen (ob Systemtheorie oder Kritische Theorie) gegenüber den Vorstellungen von einfacher Kausalität begründet.

Für ein Verständnis der Welt spielt Kausalität nur eine und nicht die zentrale Rolle. Ein solches Verstehen ist sicher nicht, wie es die geisteswissenschaftliche Tradition will, dem Erklären, also kausalem Denken, entgegenzustellen. Das Erschließen der Welt hat aber mehr Rätsel als kausale zu lösen. Auch Sinn muss entschlüsselt werden, und diesen werfen die Dinge wechselseitig auf sich. Hier greift die Rede vom Denken in Konstellationen. Solche Konstellationen sind aber auf einen insistierenden Blick angewiesen und werden durch das vorschnelle Erzwingen von Gründen vertrieben. Erst wenn die Furcht vor dem Rätsel schwindet, wird seine Lösung frei. Ambiguitätstoleranz ist ein erkenntnistheoretischer Begriff.

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