Kleine Dialektik des Spiels

Das Spiel ist zugleich widerständige Praxis gegen den Kapitalismus als auch dessen miniatisierte reine Form. Widerständig, weil in seinem Selbstzweck es sich dem Imperativ der unmittelbaren Verwertbarkeit widersetzt. In seiner Imagination anderer Welten, die einer anderen Logik folgen – egal wie abstrakt diese sein mag – grenzt es ans Utopische. Zugleich aber liegt genau in diesem Einlassen auf die selbstzweckhafte Logik des Spiels das Wesen des Kapitalismus in Kleinform vor: das automatische Subjekt. Wie die Menschen durch dieses zur Anhängseln eines als natur- und schiksalhaft erfahrenen Laufs der Welt werden, der seinen Grund allein in sich selbst findet, ebenso verabsolutiert sich die doxa routinisierter Alltagspraktiken im Spiel zur reinen illusio, die sich auch nicht durch das volle Bewusstsein der Willkürlichkeit der so gesetzten Ordnung mehr beunruhigen lässt. Ist es beliebt, Monopoly dafür zu kritisieren, dass es Kinder auf die Logik des Kapitals abrichtet, wäre doch trefflicher zu kritisieren, dass es das Einlassen auf eine beliebige Logik, gar die Indentifikation mit ihr, einübt. Das Spiel lehrt die Frage nach dem Sinn des Ganzen nicht zu stellen.

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