Cigale & Fourmilière

Der Kern der Philosophie Jacques Rancières scheint sich mit vier Textzeilen der Band La Rue Ketanou wiedergeben zu lassen:

Y a des cigalles dans la fourmilière
Et vous ne pouvez rien y faire
Y a des ciagalles dans la fourmilière
Et c’est pour ça que j’espère

La Fontaine hat mit seiner Parabel von schöngeistiger Grille und arbeitssamer Ameise den Widerstreit von freiem Geist und realistischer Pragmatik in der üblichen Tiermetaphorik zu verschiedenen Spezies naturalisiert. Rancières Kritik der Hypostasierung zweier Menschentypen drängt sich auf, wenn La Rue Ketanou nicht lediglich die Unterscheidung La Fontaines übernehmen, sondern sie gegen ihn wenden. So wie Rancière Arbeiter beim Schreiben von Gedichten zeigt – und zwar nicht von Arbeitergedichten –, besingen La Rue Ketanou die Grille in der Ameise. Weiterlesen

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Arbeitslose Weber

Das immer mehr um sich greifende Gefühl, am Wirtschaftsgeschehen nur noch geduldet teilzuhaben, ist ein Gefühl, dass zum emotionalen Urhaushalt des Kapitalismus gehört. Es ist das generalisierte Erbe des Tagelöhnertums. Wie so vieles hat Gerhart Hauptmann es unvergleichlich treffend in seinen Webern erspührt, wenn er sie vor der Auszahlung ihrer Hungerlöhne beschreibt: Weiterlesen

Das Ende der Arbeit

Als psychologischer Etappensieg des gegenwärtigen Kapitalismus kann gelten, dass uns alle Arbeit heute nur noch als geduldet vorkommt. Unsere Teilhabe an der großen selbstlaufenden Maschine ist bloß noch gütige Gabe. In diesem Sinne sind wir alle zu Antimarxistinnen geworden. Wir erleben die Arbeit nicht mehr als den mehrwertschaffenden Kern des Kapitalismus, sondern bestenfalls als Stöhrgröße der kybernetischen Selbstreproduktion. Sollten die Unternehmen sich gegen ihr Interesse doch entscheiden, uns an ‚ihrer‘ Produktion teilhaben zu lassen, so ist Dankbarkeit angezeigt.

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