Ironie und Autorität

„Nous venons ainsi à l’ironie. On peut poser en principe qu’un esprit qui a le goût et les moyens d’imposer la contrainte est imprerméable à l’ironie. On ne voit pas Hitler, pour ne prendre qu’un example parmi d’autres, utilisier l’ironie socratique. Il reste donc que l’ironie demeure une arme sans précédente contre les trops puissants. Elle complète le refus en ce sens qu’elle permet, non plus de rejeter ce qui est faux, mais de dire souvent ce qui est vrai.“ (Camus 2012)

Zugegeben, die Ironie kann ein mächtiges Werkzeug im Kampf gegen die Autorität unter Bedingungen der Zensur sein. Sie wird jedoch stumpf, wenn sie sich gar nicht gegen Autorität richtet, wenn sie gar nicht sagt, was nicht gesagt werden darf, sondern zu einer universell-gleichgültigen Haltung wird. Die kontextlose Lobpreisung der Ironie beraubt sie ihres Vermögens. Sprachlich hat es unendlich viel mehr Wert einen Polizisten ironisch zu beleidigen, als philosophisch einem postmodernen Fetisch der Ironie zu huldigen.

Camus, Albert 2012 [1939]: Le manifeste censuré de Camus [les quatre commandements du journaliste libre], Le Monde vom 17.3.2012.

Ironische Existenz

„Es darf zwar befremdend, aber nicht widerspruchsvoll erscheinen, wenn ich dem Zeitalter, das so hörbar und aufdringlich in das unbekümmertste Frohlocken über seine historische Bildung aufzubrechen pflegt, trotzdem eine Art von ironischem Selbstbewußtsein zuschreibe, eine darüberschwebendes Ahnen, daß hier nicht zu frohlocken sei, eine Furcht, daß es vielleicht bald mit aller Lustbarkeit der historischen Erkenntnis vorüber sein werde.“

So schreibt Nietzsche in seiner zweiten unzeitgemäßen Betrachtung (§ 8) und macht so die tiefe Modernität der ach so postmodernen Ironie sichtbar. Postmoderne Ironie braucht die moderne Verwechslung von kumulativem Wissen mit Bildung. Und wenn Nietzsche beklagt, dass die ‚historische Bildung‘, das Wissen darum, dass es einmal auf unendliche Weisen anders war, nicht in ein produktives Bewusstsein von Kontingenz – Machbarkeit – mündet, sondern in eine Gleichgültigkeit, so scheint damit das postmoderne Bewusstsein vorgreifend zielsicher getroffen:

„die Masse des Einströmenden ist so groß, das Befremdende, Barbarische und Gewaltsame dringt so übermächtig, ‚zu scheußlichen Klumpen geballt‘, auf die jugendliche Seele ein, daß sie sich nur mit einem vorsätzlichen Stumpfsinn zu retten weiß“ (§ 7).

Ironischerweise zeigt sich hier die Postmoderne als immer schon gewesenes Element des Historizismus, gegen den sie doch so heroisch-gleichgültig ankämpft. Sie ist Defätismus vorm Mannigfaltigen.

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